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Über Pflästerungen

Geschichte

Pflästerungen sind archäologisch ausgezeichnet befundet, weil sie dazu bestimmt sind, vor Ort stabil zu liegen und den Witterungen zu trotzen, und damit zu den haltbarsten menschlichen Bauwerken gehören. Früheste Belege für anspruchsvolle Pflästerungen finden sich schon an steinzeitlichen Kultplätzen, zu den frühen Meisterleitungen zählen Prachtstrassen und Tempelplätze aller Hochkulturen, und ebenso Fernstraßen, wie die Römerstraßen, historische Hochgebirgsübergänge oder die Inkatrails.

Seit der Entwicklung des Verkehrs mit dem Wagen sind die Anforderungen an das Pflaster hoch, es muss dauerhaft hoch belastungsfähig sein, und trotzdem plan genug, um Fußgänger oder Pferd nicht zu gefährden. Daher entwickelt sich das Handwerk des Pflasterers schon früh zu einem eigenständigen Beruf. In der griechischen Antike heißt er lithostrata „Steinschichter“, noch als Sammelbegriff für Pflästerer und Fliesenleger, und verlegt etwa den Stylobat des griechischen Tempels. Lateinisch steht bis in das Mittelalter lapidator (in Abgrenzung zum lapicida Steinhauer, oder lapidârius „Steinmetz“), sowie silicârius (zu silex „Kieselstein, harter Stein“, vergl. Silicium), und schon früh auch viârius speziell für „Strassenbauer“.

Bis zur Erfindung des Straßenasphalts (in den 1840er Jahren hatte man mit Kautschuk experimentiert) war das Pflaster über Jahrtausende die einzige Möglichkeit, Verkehrswege staubfrei zu betreiben. So heisst der Pflasterer französisch paveur, englisch paver (plasterer ist ein falscher Freund, und nicht der Pflasterer, sondern der Stuckateur, vergl. plastisch, Plastik), und pavement, wörtl. „das Gepflasterte“, heißt heute Gehsteig, weil es ursprünglich die neben der staubigen Straße gepflasterte Fußverkehrsfläche des 19. Jahrhunderts war. Daneben ist auch der Wasserbau immer ein Tätigkeitsfeld gewesen, in den Bereichen, wo primär Dämme und Deiche gegen Hochwasser und Brandung steinbelegt wurden, findet sich die Bezeichnung Dammsetzer.

Die Methoden, Pflaster zu verlegen, sind schon in der Antike ausgereift, und haben sich seither nicht nennenswert verändert, und sind auch in ihrer handwerklichen Tradition kaum unterbrochen. Kleinere Neuerungen umfassen nur die Verwendung von Betonformsteinen anstelle von Terrakotta (italienisch unterscheidet man lastricare „mit Naturstein Pflastern“ und ammattonare „mit Backstein pflastern“), zementgebundene Versatzmörtel statt Hydraulkalken (Trasse, Pozzulane), und den Einsatz von Silikonen und Acrylen anstelle bituminöser Fugenmassen. Daneben ist auch der maschinelle Einsatz zu nennen, der etwa die Handramme (auch: Jungfer, Pfaffenmütze) und das händische Zwickern ersetzt hat. Ein weiteres heute wenig verwendetes Pflaster ist der Stöckelboden, ein Holzpflaster. Sonst aber ist heute die Arbeitsmethodik gleich, und Pflastern auch als Handarbeit unersetzbar.

Neben dem verkehrs- und wasserbaulichen Aspekt umfasst die Pflasterei auch einen kunsthandwerklichen, der über die gemeinsame Wurzel des Fußbodenmosaiks heute wieder vermehrt zur Arbeit in der ästhetischen Formgebung im gehobenen Bausektor, und auch in der Restaurierung Anwendung findet.

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